Gedichte

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich liebe dich, du Seele, die da irrt
im Tal des Lebens nach dem rechten Glücke,
ich liebe dich, die manch ein Wahn verwirrt,
der manch ein Traum zerbrach in Staub und Stücke.

Ich liebe deine armen wunden Schwingen,
die ungestoßen in mir möchten wohnen;
ich möchte dich mit Güte ganz durchdringen,
ich möchte dich in allen Tiefen schonen.

Christian Morgenstern

 

                     

 

Es ist Nacht

Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält's nicht aus,
hält's nicht aus mehr bei mir.
Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.

Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.


Christian Morgenstern, 1908

 

 

Entscheide Dich zu verzeihen, denn Nachträglichkeit ist negativ. Nachträglichkeit vergift. Hass und Groll zehren am Selbst und lassen es schrumpfen. Als erster musst Du es sein, der vergibt, der lächelt und der den ersten Schritt tut. Und Du wirst das Glück blühen sehen auf dem Gesicht Deines Mitmenschen, Bruder oder Schwester. Sei Du immer der erste. Warte nicht, dass andere vergeben, denn durch Dein Verzeihen wirst Du Herrscher über das Schicksal. Du gestaltest das Leben, Du tust Wunder. Vergeben ist das höchste und die schönste Form der Liebe. Dafür wirst Du unermesslichen Frieden erhalten und vollkommenes Glücksempfinden

 

Wahre Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Ehrlichkeit sind wie die Sonne...
Sie leuchtet hell und klar und wird jeden Tag aufs Neue erwachen.
Wahre Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Ehrlichkeit sind wie ein Diamant...
man findet sie selten. Doch solltest Du das Glück haben, sie einmal zu besitzen,
dann lass sie nie wieder los, denn sie ist kostbarer als alle Reichtümer
dieser Erde

 

Loslassen

Ich sitze auf den Klippen am Meer
Ich liebe das Rauschen der Wellen so sehr
Ich denke einfach ich bin ein Kahn
Inmitten auf dem Ozean.

Ich treibe zeitlos so dahin
Ich denke weder an Arbeit noch Gewinn
Ich will nur einfach Abstand nehmen
Von allen Sachen die mich lähmen.

Ich träume - vergesse Raum und Zeit
Und jetzt wird alles in mir weit
Ich lasse los in meinem Herzen
Liebe strömt ein - vertreibt die Schmerzen

 

In meinen Träumen besitze ich alles,
was ein Mensch sich wünschen kann.
Doch wenn ich aufwache,
ist alles weg.

Auf das Meiste kann ich verzichten,
doch meine Träume von dir
hätte ich gern
ins Erwachen herübergerettet.

 

 

Einsam laufe ich am Strand entlang,
sehe manchmal noch deine Fußspuren,
vom Meer fast verwischt.

Ich hatte es nur als Spiel empfunden,
als du losgerannt bist.
Erst als du uneinholbar enteilt warst,
erkannte ich,
dass es deine Art war,
Lebewohl zu sagen.

 

 

Sag niemals,

dass du vergessen möchtest.

Niemals, dass es ein Fehler war.

 

Sag nicht,

dass du alles rückgängig machen willst.

Oder dass du diese Zeit

Aus deinem Gedächtnis streichen musst.

 

Sag nicht,

Nein zu einer Phase deines Lebens,

die so wunderschön war,

dass es dir im Nachhinein

unsäglich wehtut.

 

Alles hat einen Sinn.

Denke an das Schöne,

dass dich in der harten Zeit stark macht.

Denn du kannst nicht vergessen.

Nur versuchen, damit zu leben!

 

 

gebrannte Kinder

 

es gibt Kinder die ein gebrannter Finger davon abhält, je wieder mit dem Feuer zu spielen
und
es gibt Kinder die merken, daß eine gebrannte Hand, schnell wieder heilt
und
es gibt Kinder die wissen, daß man mit einen gebrannten Arm mehr spürt
und
es gibt Kinder die haben begriffen, daß ein gebranntes Herz immer warm bleibt

 

 

Blumen mögen ruhig sprießen
Reizend euer Haupt umzieren.
Früchte wollen nicht verführen
Kostend will man sie genießen.
Bieten bräunliche Gesichter
Kirschen, Pfirsichen, Königspflaumen
Kauft! denn gegen Zung`und Gaumen
Hält sich Auge schlecht als Richter

Kommt, von allerreifsten Früchten
Mit Geschmack und Lust zu speisen!
Über Rosen läßt sich dichten,
In die Äpfel muß man beißen

 

Ich kann wohl manchmal singen

Als ob ich fröhlich sei

Doch heimlich Tränen dringen

Da wird das Herz mir frei

So lassen Nachtigallen

Spielt draussen Frühlingsluft

Der Sehnsucht Lied erschallen

Aus ihres Käfigs Gruft

Da lauschen alle Herzen

Und alles ist erfreut

Doch keiner fühlt die Schmerzen

Im Lied das tiefe Leid

 

 

 

 

 

 

 

 

die Zeit ist hin, du löst dich unbewusst..
und leise, mehr und mehr von meiner Brust..
ich suche dich, mit sanften Druck zu fassen..
doch, fühl ich wohl, ich mus dich gehen lassen..
so lass mich denn, bevor du weit von mir..
ins Leben gehst, noch einmal Danken dir..
und magst du nie, was rettungslos vergangen..
in schlummerlosen Nächten heimverlangen..
hier steh ich nun und schaue bang zurück..
vorrüber rinnt auch dieser Augenblick..
und wieviel Stunden dir und mir gegeben..
wir werden keine mehr zusammen leben..
lebe wohl-du fühlest nicht..
was heisst, dies Wort der Schmerzen..
mit getrostem Angesicht..
sagtest Du’s und leichtem Herzen..
lebe wohl! ach tausendmal..
hab ich mir es vorgesprochen..
und in nimmersatter Qual...
mir das Herz damit gebrochen!

 

 

 

Ich Liebe jene ersten bangen Zärtlichkeiten,

die halb noch Frage sind und halb schon Anvertrauen

weil hinter Ihnen schon die andern Stunden schreiten,

die sich wie Pfeiler wuchernd in das Leben baun.

Ein Duft sind sie, des Blutes flüchtigste Berührung,

ein rascher Blick, ein Lächeln, eine leise Hand

sie knistern schon wie rote Funken der Verführung

und stürzen Feuergarben in der Nächte Band.

und sind doch seltsam süss, weil sie im Spiel gegeben

noch sanft und absichtslos und leise nur vereirrt,

wie Bäume, die dem Frühlingswind entgegenbeben,

der sie in seiner harten Faust zerbrechen wird.


 

Ich kenn einen Engel, der gehört nur zu dir,
und wenn du ihn rufst, dann ist er gleich hier.
Er hört dich im Dunklen, er hört dich bei Nacht.
Er hört, wenn man weint, er hört, wenn man lacht.
Er hört dich bei Sonnenschein und auch bei Regen,
wo immer du lang läufst auf all deinen Wegen.
Er kommt, wenn du krank bist, und macht dich gesund,
er vertreibt alles Schwarze und macht die Welt bunt.

 

Eines Tages schauten wir uns an,
und es war,
als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Wir sahen uns plötzlich mit ganz anderen Augen,
entdeckten,
dass Freundschaft Liebe geboren hatte.

Liebe, die uns beide berauscht,
inspiriert,
zu nie erreichten Höhen führt.

Werden wir auch den Absturz
in den Alltag
gemeinsam meistern?

 

 

Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

 

 

Eigentlich wollte ich dir ein Schloss bauen,

 

doch jeder Baumeister hat meine Entwürfe abgelehnt. 

 

Nicht möglich, statisch nicht machbar. 

 

Ist es vielleicht meine Schuld, 

 

wenn mir alles nur noch in Herzform gelingt?  

 

Sei Gut zu Dir! 

Denk doch mal nach und vergiss die Zukunft,

sonst überspringst du ständig die Zeit,

vergiss schnell Deine besten Jahre!

Versuch doch lieber, 

einfach schon heute so zu leben, 

wie du morgen gern sein würdest.  

 

 

Wenn Leidenschaft und Liebe vergehen,
bleibt irgendwo ein Freund,
der mit dir weint,
dich aufrichtet,
mit dir lacht,
damit Leidenschaft und Liebe
wieder erblühen können.

 

 

 

 

Weil ich dich liebe, bin ich des Nachts
So wild und flüsternd zu dir gekommen,
Und dass du mich nimmer vergessen kannst,
Hab ich deine Seele mitgenommen.
 
Sie ist nun bei mir und gehört mir ganz
Im Guten und auch im Bösen;
Von meiner wilden, brennenden Liebe
Kann dich kein Engel erlösen.

Hermann Hesse

 

 

 

je weiter wir uns von unserem Unglück entfernen, 

um so weniger wird uns unser Glück bewußt, 

und am Ende wird unser Glück, 

wenn wir nicht achtgeben, 

zur Quelle der Unzufriedenheit, 

die dafür sorgt, 

daß wir ins Unglück zurückfallen. 

Wahres Glück ist immer ganz in 

der Nähe des Unglücks.

 

Ein kurzer Blick ein liebes Wort,
aus deinem Mund gesprochen,
hat damals schon,
beim ersten Ton,
mein kleines Herz gebrochen.

Es war mein Wunsch, besonders die
Geborgenheit voll Wärme,
die du mir gibst,
weil du mich liebst,
von der ich täglich schwärme.

Berührungen ganz sacht und zart,
kaum and´re sie bemerken,
durch deine Hand,
raubt mein Verstand,
mich jedesmal bestärken.

Ein kleines Lächeln wundervoll,
geformt von deinem Munde,
zeigt dein Gesicht,
das zu mir spricht,
in liebevoller Kunde.

Dich nah bei mir zu spüren,
ob du da bist oder nicht,
an jedem Tag,
weil ich dich mag,
Verbundenheit verspricht.

 


Ich danke dir!


Du hast eine Art, wie ich sie früher nicht kannte,
du bist jemand, der mich als Mensch erkannte.
Für dich war ich nicht, wie für die anderen, ein Objekt, du hattest in mir eine Seele entdeckt.
Ich selbst kannte diese Seele nicht mehr,
als wären mein Kopf und mein Körper leer.
Du brachtest mir bei, dass es keinen Sinn 

macht so zu leben, 

ohne Gefühle den Körper herzugeben.
Du vertrautest mir blind, ohne mich wirklich zu kennen.Ich könnte jeden Augenblick in mein altes Leben zurückrennen.
Doch dieses Vertrauen stärkte mich,
und dich verlieren, das wollte ich nicht.
Ich hatte in meinem alten Leben keinen Sinn mehr erkannt,denn du brachtest mich wieder zu klarem Verstand.
Mein komplettes Denken änderte sich,
um hundertachtzig Grad drehte ich mich.
Ohne dich hätte ich es vielleicht nicht geschafft,
und meine Seele wäre dahin gerafft.
Diesen Anstoß von dir hatte ich gebraucht,

Du hattest Wärme und Glück in mein Leben gehaucht.
Für diesen Anstoß danke ich dir von ganzem Herzen.
Ein Leben mit Freude und Geborgenheit ist schöner als eines mit Schmerzen.
Die Freundschaft zu dir möchte ich niemals missen,
denn du hattest mich aus dem seelischen Verderben gerissen.

 

In deinen Augen

In deinen Augen
könnt ich versinken,
wie Sie so lachen,
wie Sie mir winken.

Möcht dich umarmen,
halten und spüren,
langsam umgarnen,
sanft dich verführen.

Mit dir verbringen,
Höhen und Tiefen,
Liebe erringen,
Sehnsucht vertiefen.

Wünscht, mich zu trauen,
Dir zu gestehen,
Angst, zu verbauen,
schlecht auszusehen.

Dich anzusprechen,
mit mir zu gehen;
Nicht abzuweichen,
wenn ich dich sehe.

Bin doch zu schüchtern,
Schritte zu wagen,
Seele erleichtern
Wahrheit zu sagen.

von Erich Schubert

 

 

Weil du nicht da bist

Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe
All meine Einsamkeit auf dies Papier.
Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.
Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.
 
Weil du nicht bist, ist der Bäume Blühen,
Der Rosen Duft vergebliches Bemühen,
Der Nachtigallen Liebesmelodie
Nur in Musik gesetzte Ironie.
 
Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
Dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.
 

Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschirm;
Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
»Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.
 
»Weil du nicht da bist« rufen Wand und Schränke,
Verstaubte Noten über dem Klavier.
Und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke,
Die Dinge um mich reden nur von dir.
 
Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen
Und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.
Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.

Mascha Kaleko 

 

 

 

 

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